Songbird: der furzende Spatz, Teil I

Ich war voller Erwartung, als Songbird angekündigt wurde. Das aus ehemaligen WinAmp-Entwicklern bestehende Team versprach uns eine funktionale Alternative - manche sagten, eine Kopie - von iTunes, inklusive iPod-Syncronisierung. Na, schlimmer als iTunes kann es nicht werden, dachte ich mir; man müsste sich schon unglaublich anstrengen, um eine Software zu Stande zubringen, die iTunes (unter Windows wie unter MacOS) an Trägheit überbietet. Ich war zu blauäugig. Die Pioniere des Zwangsläufigen haben sich richtig angestrengt. Herausgekommen ist ein galvanisiertes Etwas mit Leichenteilen aus WinAmp-Erweiterungen, Mozilla und anderen herumstreunenden Open-Source-Projekten.

Was an Songbird von Anfang an besonders interessant war: jemand (die Zwangsläufigen Frankenstein-Doktors) hat die entsprechende Domain registriert, ein Paar “Screenshots” (wohl eher Konzept-Mockups) gepostet, digg.com, slashdot.org und Konsorten informiert. Und schon entbrannte in den Comments eine rege “Diskussion” über ein nichtsexistierendes Produkt - sagte jemand eben Apple-Faktor? Ende des Jahres wurde eine Preview-Version angekündigt, die nach den Feiertagen erscheinen sollte. Mit ziemlicher Verspätung ist Songbird, stolze Versionsnummer 0.1 am 8. Februar 2006 erschienen.

Meine Meinung nach hätte dieses XUL-Monster ruhig noch einige Monate Brutzeit vertragen können. Songbird 0.1 hat in meinem “Praxistest” versagt - die Paar Hundert mp3-Dateien, die indiziert und zu einer Bibliothek zusammengefasst werden sollten, wurden nicht richtig interpretiert, das heißt, ID-Tags wurden einfach nicht berücksichtigt. Das Interface war noch träger als bei iTunes; das Betätigen des Lautstärkereglers von Songbird hatte seltsame Klangaussetzer zur Folge usw. Dafür konnte ich mit dem prächtigen integrierten Mozilla-Browser SpOn ansurfen! Respekt! Zu dem RAM-Verbrauch will ich vorerst nichts sagen, sonst müsste man ausm armen Songbird ja eine Suppe machen; es handelt sich ja um eine - huhu - Pre-View-Version.

Zum Glück muss der User im Zeitalter von Web-2.0-BETA-Community-Preview-Software die Software NOCH nicht selbst schreiben. Vorstellbar wäre es. Hier haben wir einen Preview-Proof-of-Concept-Alpha-Entwurf; unser Geschäftsmodell: die User schreiben unsere Software - empowering user participation experience - und wir sind der Ansprechpartner für Investmentfirmen! Toll, oder? Wer macht mit?

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