February 2, 2006 by oblomow
Liebe Technikforscher! Mich freut es ja außerordentlich, euch zu einem Posting animiert zu haben, welches sich ausnahmsweise außerhalb des bereits genannten “call-for-papers-konferenz-tagung”-Schemas bewegt. Es ist schon mal etwas. Die Entdeckung des Bashings wird die Blogging-Kultur eurer Institution womöglich voranbringen, und das wäre ein großer Gewinn. Und falls das nicht klar wurde: ich hab euch lieb, ich stelle eure Arbeit keineswegs infrage, kein Grund, so angepisst zu sein. Es ist ja nur euer Blog, welches mir leidergottes nicht gefällt. Ob’s euch wurscht ist oder nicht, meine Äußerung dazu hat sich (für beide Seiten) als fruchtbar erwiesen.
Die Unterstellungen von der Sorte der “Geplagtheit”, der “anti-intellektuellen Ressentiments” oder der “Selbstentlarvung” überlese ich (als Studierender einer verwandten Disziplin) eurer eigenen Glaubwürdigkeit zuliebe. Es bleibt nur ein ziemlich unangenehmer Nachgeschmack übrig - wenn ihr aus “zeitnotorischen Gründen” (och, die Vielbeschäftigten!) nicht einmal die Muße aufbringt, per Copy-Paste Ankündigungen aus eMail-Verteilern zu kopieren, was ist dann der Sinn des Technikforschungs-Blogs? Irgendwie stimmt da was nicht. Wie das neueste Posting vor Augen führt ist euer Blog (frei nach der erstrebenswerten oder de facto vorhandenen Eigendefinition) ein weiteres Asylum für öffentlichkeitsresistente Studierstubenhocker, die jede Kritik als “Gegenstand” ihrer Disziplin zu vereinnahmen versuchen, und das nicht einmal sonderlich geschickt.
Eine spannende methodische Überlegung: weniger Arroganz.
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February 1, 2006 by oblomow
Kulturwissenschaftliche Technikforschung, ein Weblog aus dem Institut für Volkskunde der Universität Hamburg, hört sich toll an, oder? Ich bin auch hin und weg, im Grunde. Es gibt nur ein kleines Problem - das Blog erinnert eher an einen Repeater, der Content aus einschlägigen Mailinglisten ausspuckt: Konferenz, Stellenausschreibung, Kongress, Tagung, call for papers, Tagung, call for papers, Konferenz, Kongress, und nicht zuletzt, ganz wichtig, call for papers. Nicht mißverstehen, das man ja alles furchtbar wichtig sein, nur findet man diese Informationen auch woanders. Die Existenzberechtigung des Technikforschungs-Blogs erschöpft sich wohl auch darin, dass es einfach sein muss, ist ja was neuestolles, ohnewärsnurhalbsoschön. Außerdem betreibt man ja kulturwissenschaftliche Technikforschung und muß wissen, wovon man redet! Also - Blog.
Einige nicht unwichtige Momente bleiben dabei auf der Strecke, weil die Betreiber das Prinzip des Bloggens scheinbar nicht recht verstanden haben. Es geht nicht ums Copy-Paste aus Malinglisten, und auch nicht ausschließlich um Links zu H-Soz-U-Kult. Es geht um “dat Soziale”, es geht darum, möglichst viele Menschen zu envolvieren, die etwas Wesentliches zu sagen haben, es geht um den Austausch, es geht um die Vernetzung. Dafür muß man allerdings auch in Kauf nehmen, dass man gelegentlich weniger als Wissenschaftler auftritt und mehr als Blogger. Man muß bereit sein, gnadenlos zu vereinfachen, abzukürzen, zu polemisieren - den Leuten Dinge schmackhaft zu machen, damit sie Spaß haben. Wo bei bildschirmlangen Konferenzprogrammen der Spaß sein soll? Das fragen sich bestimmt auch die Besucher. Null Kommentare, null Trackbacks.
UPDATE mein Kommentar zum “Blogger gegen Akademiker”-Posting befindet sich hier.
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January 31, 2006 by oblomow
Ich weiß ja nicht, vielleicht lebt Herr v. Matt in einer Welt, in der Toiletten höchstens als Stätte des Nasepuderns dienen (hier wären wir bei den unumgänglichen Vorurteilen, aber man hat es ja nicht anders gewollt) - aber! Ob im Internet oder nicht, die Klowand ist ein höchst interessantes Beobachtungsobjekt.
Die Klowand als Kontaktbörse für Menschen mit alternativen sexuellen Vorlieben sowie für ihre entschiedenen Gegner, als Plattform für Besserwisser (”Fünf Rechtschreibfehler in einem Satz - und sowas studiert!”), als Bühne politische Konfrontationen, als Medium für wahre Undergroundkünstler, die ihren Sehnsüchten in Form eines meisterhaft hingekritzelten weiblichen Torsos freien Lauf lassen - Klowände haben mehr mit Werbung zu tun, als man vermutet hätte. Umso unverständlicher ist v. Matts offensichtliche Abneigung gegen dieses Medium. Mag sein, dass Mama dem kleinen Jean davon abgeraten hat, auf Klowände zu schmieren, aber früher oder später geht man schließlich über die besten mütterlichen Ratschläge hinweg.
Ich persönlich kann Jean-Remy von Matt nur eines raten: das Potenzial der Klowände zu entdecken! Wie wärs mit einer viralen Klowandbeschmierer-Kampagne für, nun ja, ein bisschen solltest du dir schon Gedanken machen! Die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht.
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January 30, 2006 by oblomow
Ich hätte mir den Rücktritt des russischen Verteidigungsministers Sergej Iwanow gewünscht, der nach eigenen Angaben “hoch im Gebirge” war, als die Nachricht von der Mißhandlung des nun einiger seiner lebenswichtign Körperteile entledigten Rekruten Sytschew in russischen Medien die Runde machte. Wahrlich “hoch im Gebirge”, bestimmt am Gipfel des Zynismus: “ich denke, es ist nichts Ernsthaftes dabei, sonst wüsste ich sicher davon”, sagte Iwanow am 28. Januar. Na dann Prost, Sergej. Putins mögliche Nachfolger: -1.
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